Sie knarrt, offen dann, lässig das Ö im Eingangsbereich, beobachtet mit weit geöffneten Puppillen, schleicht, Kalk im Fell, Brr, ist kalt, und tiefe Nacht in der dritten Zeile, die nach oben gerutscht ist, ist sie? Jetzt, spätestens jetz muss sie auftauchen, mit einem A, so lang wie ein Verkehrsstau von hier bis zum Mont Blanc, feenhaft, dort oben mit strengem Verweis auf die dünne Luft und den ersten Laut der Verwunderung, tse-tse. 200 Kilometer, der Graf kommt kaum mit, das Teekesselchen, das Teekesselchen, wie kann der Befrackte nur auf die Idee kommen, ein Blick hat genügt, ein Seidenstrümpfchen, mit zwei Pünktchen rechts und links, und dann der Dampf, man sieht die Hand nicht, die Augen kullern talwärts, hinterher wehen die Strümpfchen, das Teekesselchen, außer sich vor Atem, der Graf, ich muss doch noch singen, das Teekesselchen, ach, könnte ich doch nur fliegen, er oder ich? Nie wieder will ich, der Graf, kann mal ohne mich, das Teekesselchen zerbrochen, ein Sturz in die Tiefe, der Befrackte verschwunden, der Graf muss noch, das Ö am Kreuz, lange hält es das nicht aus, Licht dringt ein durch den schmalen Schlitz, kein Knarren, der Graf, Tatzen, der Wind weht draußen und oben still, kein Scharren – nur ein Ä?
Die Herrn vom Cern
Es sind Wissenschaftler, Grundlagenforscher sagt man. Also haben sie erst einmal in der Erde gebuddelt, nicht sie selbst versteht sich, sie haben buddeln lassen und eine Riesenröhre in der Erde versenkt, 9 km lang soll sie sein, in der sie Teilchen beschleunigen können. Ich kenne mich damit nicht aus, mit der Physik und all dem Kram, aber Leute, die davon mehr wissen, haben Bedenken angemeldet. Die haben Angst gehabt, denke ich, Angst davor, dass es mächtig rumsen könnte unter der Erde, wenn die Teilchen allzu schnell werden in der Röhre. Na ja, ist aber nichts passiert, so viel ich weiß. Zumindest hat man nichts mitbekommen, weder den Rums noch etwas davon in den Zeitungen. Nur soviel, dass die etwas Neues entdeckt haben, was Gigantisches, das alles in Zweifel ziehen lässt. Wie gesagt, ich habe kein Ahnung, aber sie sollen herausbekommen haben, dass bestimmte Teilchen, Neutrinos heißen die wohl, schneller geflogen sind als Lichtgeschwindigkeit – und, so sagt man weiter, damit ist die Theorie vom Einstein dahin, also falsch, zumindest teilweise. Und auch den Urknall hat es dann nicht gegeben. Möglicherweise ist das Universum also ganz leise entstanden. Aber was heißt das jetzt? Die Naturgesetze einfach falsch? Ist jetzt alles hinfällig? Geht es hier auf der Erde und dem Universum doch ganz anders ab. Muss ich mich auf anderes gefasst machen, als das, was man mir vorhergesagt hat. Oder kann ich cool bleiben, wie diese Wissenschaftler, die sagen, dass sie jetzt weiter Teilchen beschleunigen müssen, um mehr Gewissheit zu erhalten. Sind schon komische Vögel diese Wissenschaftler, sagen, dass sie da was entdeckt haben, was es so der Theorie nach nicht geben dürfte, reden aber weiter von Gewissheit, während ich mich langsam darauf vorbereite, dass es von unten nach oben regnen wird.
K-15
Wach. Am Morgen hört Vier des Öfteren ein Klingeln. Er macht nicht auf, denn heute ist sein freier Tag, jetzt, nachdem sie das Haus verlassen hat. Er will ihn ruhig auf sich zukommen lassen, wie den Sonntag letzter Woche, will Musik hören, im Wald laufen, seine Zeit mit all den Nichtigkeiten vergeuden, die ihm zufallen werden. So ist der Plan, und doch fühlt er sich unbehaglich, hat er die Ahnung, dass der heutige Tag nicht so verlaufen würde wie der vorige Sonntag. Etwas ist anders. Das Datum ist es nicht. Irgendetwas an ihm, seinem Körper oder der Welt vor seiner Zimmertür, mutmaßt er, ein Mangel, nur soviel steht fest. Er hat das Bad noch nicht erreicht, als es an der Haustür klingelt. Durchs Türglas kann er A. erkennen. Er lässt ihn ein. Behäbig lässt A. sich in der Küche nieder und kommt rasch zur Sache. Ob Vier ihn beim Spazierengehen begleiten will, fragt er. Schönes Wetter, keine Zeit in der Bude hocken zu bleiben. Vier ist verwirrt, raucht erst einmal eine Zigarette. Was tun? Er will A. nicht einfach abweisen, hat aber keine Lust, weil sein Plan keinen Spaziergang, zumindest nicht in Begleitung anderer, vorgesehen hat. Nach einigem Hin und Her willigt er in eine Runde im Kranichsteintal ein. Danach kann man sich seinetwegen noch die Sonne auf den Pelz brennen lassen, im Park oder sonst wo, wo eben die Sonne scheint. Auf dem Weg dorthin dringt A. schnell zu seinem Lieblingsthema vor: das ferne, sichere und verlockende Ausland. Er will wieder nach Australien und wünscht, dass Vier ihn begleitet. Am Anfang des neuen Jahres soll es losgehen, erklärt er, und dass es ein langer Aufenthalt werden soll. Vier sei geradezu prädestiniert für die gemeinsame Unternehmung, wenn er nur endlich seinen bescheuerten Job hinschmeißen würde. Für die Frauen, die natürlich zurückbleiben, kann man ja auch sorgen, indem man einen Geldfonds einrichtet, aus dem sie ihre Kosten bestreiten können. Vier kann dem aber nichts abgewinnen, denkt Vier und sagt es nicht. Er wird sich dort nicht zurechtfinden, er ist sich da verdammt sicher, zumal auf einem anderen Kontinent. Lauter fremde Menschen um ihn herum, das wird ihn nur verstören. Hat schon hier genug mit den Leuten zu kämpfen. Außerdem kann er Kängurus und endlose Ödlandschaften nicht ausstehen. Er weiß nicht, was er dort soll, nicht einmal, ob Australien überhaupt außer auf Landkarten existiert und man dort in Dollar oder Pfund bezahlt. A. unterbricht sein Reden, hält inne, sie starren stumm auf den Himmel, bis A. wieder anhebt und über die Schikanen in seinem Umschulungsbetrieb klagt. Die Prüfungen, die er über sich ergehen lassen muss, sind widerlich und lächerlich, das Abscheulichste aber die Tatsache, dass er von der Arbeitsagentur schon eine Arbeitsstelle zugewiesen bekommen hat. Von wegen freie Beschäftigungswahl. Da hat es jemand auf ihn abgesehen, meint er und vermutet eine Kampagne, die gegen seine Person gerichtet ist und zum Ziel hat, ihm das Leben zu versauen. Vier widerspricht auch dieses Mal nicht.
Wieder zurück vom Kranichsteintal, schaut Vier Glotze, Berichte von einem Wahlspektakel. Langweiliges Geschwätz umtriebiger journalistischer Hofschranzen, die den Politikern Worte abluchsen, die sie schon zum hunderttausendsten Mal von sich gegeben haben. Er lässt sich widerstandslos berieseln, faul und träge vom Essen und dem Bier. Beim Duschen hat er noch daran gedacht, am Abend einige Protokolle zu lesen oder an seinem Bericht weiterzuschreiben, aber jetzt so mit aufgetriebenem Bauch nimmt er Abstand davon. Ihm schwant, dass es nur zur Kneipe reichen wird.
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