Vor dem Schirm

Vertan die Stunden, Tage jetzt. Der Schirm, weiße Fläche, die abstrahlt, Helligkeit in den dunklen Raum. Davor er, ratlos, der nicht kann, nicht ablassen kann vom Weiß, das ihn malträtiert, die reine Fläche, in der nichts verzeichnet ist. Vom Unmut verschattet der Geist, türmen sich die Zweifel, wortlos. Schübe von Nervosität. Und Schweiß auf Handinnenflächen und Stirn. Es muss anders werden, es war damals anders. Oder doch nicht. Aber wie jetzt daran anknüpfen? Die vielen Unterbrechungen, unversehens ist das Damals entglitten, ein anderer Körper, ein anderer Geist.

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Nachher

Der Beifall weckt ihn. Er sieht sie von der Seite an. Sie ist Schauen. Sie erheben sich und streben nach draußen mit den anderen. Die Dunkelheit kühlt ihn, während er spricht. Seine Worte suchen sie. Er geht neben ihr wie ein Schatten. Sie sagt nichts. Sie finden Platz in der Kneipe. Ihm entfallen die Gedanken. Er rührt sich kaum, verschmelzt ungelenk mit dem Stuhl. Er schaut in ihr Gesicht. Ihre Augen gleiten von ihm ab. Ein Bier, eine Zigarette, sie isst den Rauch. Er wendet sich ihr zu. Sie lehnt sich zurück. Er spricht von der Aufführung. Turnt akrobatisch von Satz zu Satz. Setzt zusammen, zerpflückt, wagt sich an Thesen, gestikuliert heftig. Er befeuert seine Rede mit immer neuen Worten. Sie hält seinen Worten stand, offenen Auges. Er fühlt sich nackt. Noch ein Bier, noch eine Zigarette. Sie schüttelt ihren Kopf. Das ist ihr Zeichen. Deckung nehmen, auf ihre Worte warten. Sie beginnt zu sprechen. Jetzt gehört sie ihm, seinem Blick. Er schlingt sich um ihr Sprechen. Sie webt ihm Bilder. Er ist stumm und malt nach mit ihren Lauten. Sie wärmt ihn. Ein Bier mehr. Der Rauch der Zigarette entströmt seinen Poren. Zug um Zug.

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10 min später

Hat wirklich komisch ausgesehen mit seinem Papierklumpen im Mund, aber zu lachen habe ich nichts gehabt. Kaum aus dem Zimmer draußen, kommt der Schließer mit ein paar Kumpels zurück, die mich ruch, zuck bearbeiten, so nennen sie das hier. Danach kann ich kaum mehr aus den Augen schauen. Sie schleppen mich zum Chef, legen mich auf dem Sessel ab, ihm gegenüber, und verschwinden.
Sie sollten vorsichtiger sein, sagt er, nicht so große Sprünge machen, wenn sie wackelig auf den Beinen sind. Sie wissen doch, wie leicht man dabei ausrutschen kann! Aber deshalb habe ich sie nicht kommen lassen. Er nimmt ein Blatt Papier von seinem Schreibtisch, hält es vor sich, so als wollte er es lesen, legt es aber gleich wieder zurück auf den Tisch. Das war ja wohl nichts, brummt er. Ich schweige, warte was kommt. Der Chef ist launisch. Das ist bekannt. Und so unberechenbar, wie alles hier. Was haben sie sich dabei gedacht? Er deutet auf das Blatt Papier. Sagen sie nichts, man sieht es ja! Wir haben ihnen ein Chance gegeben und dann? Nichts, sie haben nichts daraus gemacht, haben einfach zehn Minuten durchgestrichen. Zeit kann man nicht durchstreichen, entgegne ich leise. Seien sie jetzt bloß nicht spitzfindig. Vorhin hätten sie sich beweisen können, die Gelegenheit am Schopf packen können. 10 Minuten haben ausgereicht, um zu wissen, was mit ihnen los ist. Da kommt nichts, da wird nichts mehr kommen, soviel steht fest. Ein bisschen Renitenz, das ist alles und entschieden zu wenig. 10 Minuten, das ist lächerlich, entfährt es mir. Sagen sie endlich, was sie von mir wollen. Sie wollen wohl nicht kapieren, ich will nichts mehr von ihnen. Und deshalb lassen sie mich kommen? Ach, hören sie doch auf, da kann ich doch …. Nichts können sie, herrscht er mich an. Sie gehen, wenn ich es ihnen sage. Es wird keine 10 Minuten mehr geben, für sie nicht! Ich schrecke auf und der Gedanke rast durchs Hirn, dass im nächsten Moment die Schließer wieder hereinstürmen oder sonst jemand sich auf mich stürzt und dass auf jeden Fall etwas Endgültiges passiert. Aber nichts geschieht. Es gibt keine zweiten 10 Minuten, höre ich ihn, bevor ich ins Schwarz sinke.

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