Kategorie-Archiv: instant

Mondsichelgestammel I

Ich sitze vorm gerät, streichle sanft und heftig zugleich meinen techno pimmel, während du irgendwo am wirklichen leben teilnimmst, bin seit sonnentagen in einer stimmung, unaufhaltsam, die mich wegführt, weit weg an einen markstein der wiedergewinnung einer erregung, die sich hält gegen die widerwärtigkeit meiner tüchtigkeit, und die, im hintersten gedankenzimmer eingeschlossen, toll herumpoltert, dazwischen dein lachen, unentwegt im schwinden begriffen, auf der flucht vor meiner schwerfälligkeit, greife ins leere, eile von bildrätsel zu bildrätsel, angestachelt durch den wunsch, dir zu begegnen, dich zu ertappen bei einer unachtsamkeit, die uns beide torkelnd macht: eine besoffene trunkenheit des überschwangs an uns selbst, ungeteilt, ungetrennt durchstreunen wir die nacht, sagenhaft wirklich in der sicherheit unseres begehrens, wie aufgeregt kann ich noch sein, dich zu erwarten, wie die heraufkunft einer gewissheit, nicht mehr im spiegel zu leben, der der eigene ungelebte traum ist, nichts kann mich aufhalten, wenn ich ins taumeln gekommen bin, sinn, wo bist du in deiner vergeblichkeit untergekommen, wer pflegt und hegt dich, wenn du nicht über den ertasteten leib gestreift worden bist, gleich einem wärmenden pelz, der jederzeit in der hitze einer einzigen süchtigen nacht in flammen vergeht, mondgöttin oder guter stern? diese frage ergeht nicht an dich, vor ungeduld ersonnen, angesichts der aussichtslosigkeit vernünftig zu überleben, schwere worte der unnachgiebigkeit, ich hasse das stammeln, das geständnis und alle nüchterne erwägung über mein schicksal, gleich kommt jemand zu einem kontrollgang zu mir.

10 min

Hier! Der Schließer grinst, legt ein paar Blatt Papier und einen Stift auf den Tisch. 10 Minuten! Mehr Zeit hast Du nicht! Der Schließer grinst noch einmal breit und geht. Mehr Zeit hast du nicht? Was soll das? Wartet das Exekutionskommando auf mich? Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Bin ich in das Pelican Bay State Prison gebeamt worden? Eine Giftspritze oder was wartet jetzt auf mich? Weshalb nur noch 10 Minuten? Und was soll ich mit dem Schreibzeug? Einen letzten Wunsch formulieren, mein Testament machen, für wen? Was geht hier vor? Meine letzten zehn Minuten mit Schreiben verbringen? Worüber denn? Über die letzten 10 Minuten? Die letzten 10 Minuten schreibe ich also aufs oberste Blatt Papier, ich notiere: Die letzten 10 Minuten, ich streiche die 10 durch, sind doch jetzt höchstens noch 8. Das muss doch ein Scherz sein, ja es ist bestimmt ein blöder Scherz. Mit allem, was ich notiere, gehe ich ihnen auf den Leim. Sicherlich machen sie sich lustig darüber. Schau mal, werden sie vielleicht sagen, das fällt dem Trottel in seinen letzten 10 Minuten ein. Nicht viel! Schade um das schöne Papier! Und werde sich schütteln vor Lachen. Ich streiche die 8 durch, steht jetzt nur noch Minuten da. Weiß ohnehin nicht, wie viele mir noch bleiben. Und wenn es doch kein Scherz ist? Was erwarten sie denn? Ein Beichte. Ich habe nicht mehr zu sagen als vorher, habe ihnen alles gesagt, deshalb bin ich doch hier. Gibt es möglicherweise ein paar Worte, eine Formulierung, die die 10-Minuten-Frist aufhebt, ein treffendes Wort, das ich finden und aufs Blatt bringen muss, das bewirken könnte, dass ich mehr Zeit bekomme. Oder ist mein Schreiben gar nicht für sie bestimmt? Vielleicht lesen sie es nicht, heften das Papier nur ab, eine Art Abschlussdokument. Meine letzten Worte, damit niemand sagen kann, ich bin überrascht, sondern ordnungsgemäß davon unterrichtet worden, dass meine Zeit abgelaufen ist. Und wenn ich nichts schreibe? Vermassele ich ihnen dann die Tour? Ich streiche auf dem Blatt auch noch die Minuten durch. Die Tür geht auf. So! Her damit! sagt der Schließer. Ich zerknülle das oberste Blatt und stecke ihm den Knäuel in den Mund.

Unordentlich geschrieben

Sie knarrt, offen dann, lässig das Ö im Eingangsbereich, beobachtet mit weit geöffneten Puppillen, schleicht, Kalk im Fell, Brr, ist kalt, und tiefe Nacht in der dritten Zeile, die nach oben gerutscht ist, ist sie? Jetzt, spätestens jetz muss sie auftauchen, mit einem A, so lang wie ein Verkehrsstau von hier bis zum Mont Blanc, feenhaft, dort oben mit strengem Verweis auf die dünne Luft und den ersten Laut der Verwunderung, tse-tse. 200 Kilometer, der Graf kommt kaum mit, das Teekesselchen, das Teekesselchen, wie kann der Befrackte nur auf die Idee kommen, ein Blick hat genügt, ein Seidenstrümpfchen, mit zwei Pünktchen rechts und links, und dann der Dampf, man sieht die Hand nicht, die Augen kullern talwärts, hinterher wehen die Strümpfchen, das Teekesselchen, außer sich vor Atem, der Graf, ich muss doch noch singen, das Teekesselchen, ach, könnte ich doch nur fliegen, er oder ich? Nie wieder will ich, der Graf, kann mal ohne mich, das Teekesselchen zerbrochen, ein Sturz in die Tiefe, der Befrackte verschwunden, der Graf muss noch, das Ö am Kreuz, lange hält es das nicht aus, Licht dringt ein durch den schmalen Schlitz, kein Knarren, der Graf, Tatzen, der Wind weht draußen und oben still, kein Scharren – nur ein Ä?