Szene Colet ...

Podlech nutzt das Paar Colet / Flaubert, um einen brennenden Konflikt von erotischer und intellektueller Brisanz vorzuführen und zugleich den Zeithorizont aus dem neunzehnten Jahrhundert hinaus bis in unsere Tage auszudehnen: Mitunter tönt die Colet, als sei sie ein moderner Teenager, der eine Krise kriegt, wenn sein etwas schwieriger Beziehungspartner wieder bloß reden will. Und Flaubert, der Feinsinnige, flieht vor der körperlichen Präsenz seiner geliebten Kontrahentin regelmäßig, um sich ihrer dann am innigsten verbunden zu fühlen, wenn es ihn auf weite Reisen verschlägt - zwei wollen zueinanderkommen, könne es nicht und lassen dennoch von ihren verzweifelten Versuchen nicht ab. Ein zeitloser Stoff.

[Frank Olbert, Frankfurter Allgemeine Zeitung]

 

 

Colet:

Ich rede, schweige, schreibe wie ichs grad will und fühle; das regt dich auf.

Flaubert:

Du schreibst Bücher wei eine Henne Eier legt.

Colet:

Du siehst die Dinge und du siehst sie verkehrt.

Flaubert:

Das neue Buch ist eine Katastrophe. Du hast mit persönlicher Leidenschaft geschrieben, aus Kunst eine Ausguss für leidenschaftliche Gefühle gemacht, einen Nachttopf, der überläuft, das riecht nicht gut, das stinkt.

Colet:

Bin kein Stilist, gedankenschön, der eine Erbschaft hat und für die Ewigkeit wohl schreibt in der Provinz. Ich leb vom Schreiben: Kinder, Miete, Essen.

Flaubert:

Von den Menschen lernen wir reden, von den Göttern, die wir großzügig erfinden, schweigen.

Colet:

Ein moderner Mensch bist du.

Flaubert:

Bücher will ich, in denen man Sätze liest ohne Sinn und VErstand und Gefühl. Was ich machen will, ist ein Text mit zerstörten Texten, schön hässlich brutal, ein Buch über Nichts, Romane über Nichts.

Colet:

Das Ende der Kunst wär der Anfang vom Leben vielleicht.

Flaubert:

Ständig bringst du Leben und Kunst durcheinander.

 

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