Die Herrn vom Cern

Es sind Wissenschaftler, Grundlagenforscher sagt man. Also haben sie erst einmal in der Erde gebuddelt, nicht sie selbst versteht sich, sie haben buddeln lassen und eine Riesenröhre in der Erde versenkt, 9 km lang soll sie sein, in der sie Teilchen beschleunigen können. Ich kenne mich damit nicht aus, mit der Physik und all dem Kram, aber Leute, die davon mehr wissen, haben Bedenken angemeldet. Die haben Angst gehabt, denke ich, Angst davor, dass es mächtig rumsen könnte unter der Erde, wenn die Teilchen allzu schnell werden in der Röhre. Na ja, ist aber nichts passiert, so viel ich weiß. Zumindest hat man nichts mitbekommen, weder den Rums noch etwas davon in den Zeitungen. Nur soviel, dass die etwas Neues entdeckt haben, was Gigantisches, das alles in Zweifel ziehen lässt. Wie gesagt, ich habe kein Ahnung, aber sie sollen herausbekommen haben, dass bestimmte Teilchen, Neutrinos heißen die wohl, schneller geflogen sind als Lichtgeschwindigkeit – und, so sagt man weiter, damit ist die Theorie vom Einstein dahin, also falsch, zumindest teilweise. Und auch den Urknall hat es dann nicht gegeben. Möglicherweise ist das Universum also ganz leise entstanden. Aber was heißt das jetzt? Die Naturgesetze einfach falsch? Ist jetzt alles hinfällig? Geht es hier auf der Erde und dem Universum doch ganz anders ab. Muss ich mich auf anderes gefasst machen, als das, was man mir vorhergesagt hat. Oder kann ich cool bleiben, wie diese Wissenschaftler, die sagen, dass sie jetzt weiter Teilchen beschleunigen müssen, um mehr Gewissheit zu erhalten. Sind schon komische Vögel diese Wissenschaftler, sagen, dass sie da was entdeckt haben, was es so der Theorie nach nicht geben dürfte, reden aber weiter von Gewissheit, während ich mich langsam darauf vorbereite, dass es von unten nach oben regnen wird.

Horst Senger
Lebt und arbeitet in Eltville als Autor.

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