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Ein perfekter Tag

Ein perfekter Tag, ein wunderschöner Tag, schon das Aufwachen, ach was, der Schlaf schon, ein Traum von Traum darin. Wie leicht ihm das Aufstehen fällt, überhaupt alles ist ihm so leicht von der Hand gegangen an diesem Tag. Das Pflaumenmus ein Gedicht, er kann sich nicht erinnern, wann es das letzte Mal so gut geschmeckt hat, der Einkauf, in Windeseile erledigt, kein langes Suchen und dazwischen Zeit genug für einen kleinen Flirt mit der Verkäuferin, ein Wort hat das andere gegeben und ein Lächeln, dieses Blitzen in ihren Augen, und wie sie ihm das Wechselgeld gegeben hat, kleine elekrtische Entladungen zwischen den Fingerspitzen, aber er hat schon nicht mehr daran gedacht, als er aus der Tür des Feinkostgeschäftes getreten ist. Einen Kaffee hat er sich noch geleistet und dann nach Hause, ist mit dem Sauger durch die Wohnung gewirbelt, hat entgegen seiner sonstigen Gewohnheit auch noch mal feucht durchgewischt, laute Musik durch die Räume gejagt, geschwitzt, aber keine Erschöpfung gespürt. Eine kleine Pause gemacht, angefüllt mit leicht nervösen Vorstellungen, Wackelbildern dessen, was kommen würde. Er ist kein guter Koch, also hat er sich das Kochbuch geschnappt, das er vorher noch extra besorgt hat, ist streng nach Plan vorgegangen, hat mühelos die Arbeitsschritte zur Vorbereitung des Abendessens zurückgelegt und sogar verletzungsfrei das Fleisch tranchiert. Und weil noch viel Zeit gewesen ist, bevor er sich ans Kochen macht, ist er noch einmal losgezogen, um Dekozeug zu besorgen. Er hasst perfekte Dinner, dieses Brimbamborium rund ums Bauch-Vollschlagen, aber heute Abend geht es ja um etwas anderes, da soll etwas anderes als die Lebensmittel durch den Magentrakt ziehen, und deshalb, aus diesem Grund, denkt er sich, warum nicht. Es fällt ihm ja schließlich kein Zacken aus der Krone, erst recht jetzt, da er sich in einem Zustand universeller Leichtigkeit befindet, in dem ihm nichts etwas anhaben kann, nicht einmal seine grundsätzliche Abneigung gegen perfekte Dinner. Und also holt er sich den Kram, von dem er glaubt, dass er ihn schon einmal im Fernsehen gesehen hat, sogar eine Tischdecke kauft er ein. Das erste Mal in seinem Leben. Er hat keine Ahnung von Stil, aber das kümmert ihn nicht, und also drapiert er alles von dem gekauften Zeug so auf den Tisch, dass er das Gefühl hat, dass es passt. An diesem Tag passt einfach alles, das hat er im Urin. Kann gar nicht anders sein. Sein Arrangement hat er mit zwei Kerzenständern gekrönt, natürlich mit Kerzen, schlanke rote Kerzen. Er ist zufrieden mit sich. Manchmal ist ihm sogar die Idee gekommen, dass er das öfter machen kann, ja, dass er gar nicht so untalentiert ist, nicht gerade ein Meister, aber immerhin, er hat sich dabei noch einmal umgeblickt, kann es sich sehen lassen, was er da angerichtet hat. Es wird sie sicher nicht unbeeindruckt lassen. Erst recht, wenn er ihr die zubereiteten Speisen servieren wird. Er hat sich nicht lumpen lassen, nur das Feinste, all das Zeug, mehrere Gänge, die solche Namen haben, in denen immer „in“, „an“ und „auf“ vorkommt, kleine hübsche Portionen, so leicht und elegant, wie der Zustand in dem er sich befindet. Unter der Dusche ist ihm, als wolle er singen, lässt es aber bleiben, weil er es nicht kann und weil die Filmschnipsel in seinem Kopf ihn ablenken, kurze Sequenzen vorweggenommener Szenen. Die Kulisse steht, soviel ist sicher, wie eine eins, denkt er. Er beginnt mit der Zubereitung der Speisen, damit sie auf den Punkt fertig sind und der Punkt rückt näher. Das i-Tüpfelchen auf einen perfekten Tag.

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