Im Loch 1

Eigentlich unnötig darauf hinzuweisen, aber eben der Vollständigkeit halber und weil man ja nie weiß, was noch werden wird, sei an eben dieser Stelle gesagt, dass ich mich freiwillig hier eingefunden habe. Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass alles ins Lot kommt. Ich will helfen. Und damit vielleicht ein wenig Ordnung in die Angelegenheit bringen, die droht aus dem Ruder zu laufen. Auch ein klitzekleines Zeichen setzen, wenn man mich lässt. Wie schon gesagt, aus freien Stücken bin ich hier. Ich will auch nicht drängeln, nein, ich kann warten, bis ich dran komme. Mir macht das nichts aus. Hat mir noch nie etwas ausgemacht. Warten ist eine leichte Übung für mich. Habe ja sonst nichts zu tun. Aber wenn es denn bald losgehen würde, hätte ich auch nichts dagegen. Weil ich gerne helfe. Wenn man mich nicht braucht, soll man es lieber gleich sagen. Ich kann zwar warten, das ist kein Problem, aber wenn dann am Ende nichts geschieht, ist ja das ganze Warten auch für die Katze. Man soll es mir also lieber gleich sagen, nicht rumdrucksen, wie damals beim Friseur, als die junge Dame sich vergaloppiert hat, und das ausgerechnet auf meiner Zuckerseite. Eine riesige Schneise hat sie mir geschlagen und dann alle möglichen Tricks probiert, um die furchtbare Lücke zu kaschieren, statt dass sie mir einfach gesagt hat, sorry, da ist jetzt was schiefgelaufen. Dann hätte ich auch nichts gesagt, also nur, ja, kann ja mal passieren, wo gehobelt wird, fallen eben auch Späne oder so, hätte ich gesagt. Aber wenn mir einer oder wie in diesem Fall eine blöd kommt, dann kann ich auch anders. Das geht dann ganz schnell. Natürlich haben die anderen Leute im Laden nicht gewusst, was abgeht, nur eben, dass ich in keiner Weise amüsiert gewesen bin. Und ganz sicher hätten sie rumgeheult, wenn sie mitbekommen hätten, dass ich der Friseurin das Handtuch um den Hals gelegt habe und es kurz, wirklich nur kurz zusammengezogen habe. Aber das alles ist so schnell gegangen, dass sie es gar nicht gecheckt haben. Für die Friseurin hat es lange genug gedauert, da bin ich mir sicher. Als ich rausgegangen bin aus dem Laden, hat sie noch am ganzen Leib gezittert. Nicht, dass jetzt ein falscher Eindruck entsteht, ich bin nicht gewalttätig, ich habe  keinen Spaß daran, jemanden zu würgen oder auf andere Art Schmerz zuzufügen, überhaupt nicht, aber bestimmte Sachen kann ich nicht durchgehen lassen, da rührt sich einfach mein pädagogischer Instinkt und mein Gerechtigkeitssinn. Und natürlich kommt es immer auf die Situation und die Verhältnismäßigkeit an. Aber nie aufs Gefühl, also meine persönlichen Empfindungen spielen da keine Rolle. Wenn ich einschreite, dann immer ganz kühl und auch mit Bedacht, dass ich die richtigen Mittel einsetze. Ich vergleiche, was ich tue, immer gern mit dem Griff in eine Werkzeugkiste, um das passende Instrument zu finden. Und ich bin überzeugt davon, dass es sich lohnt, auf die Zumutungen, denen man manchmal ausgesetzt ist, zu reagieren. Kühl und bedacht. Andernfalls verliert man die Kontrolle über seine Umgebung und ehe man sich versieht, wird man überall untergebuttert. Das will ich nicht und das mache ich auch jedem unmissverständlich klar, wenn die Situation es erfordert. Aber auch nur dann. Jetzt gerade bin ich ganz entspannt, habe ja nichts anderes zu tun, als zu warten, bis ich endlich helfen kann. Ich mache das gern, das habe ich ja schon gesagt, und auch, dass es von mir aus gleich losgehen könnte. Aber es geht nicht voran. Seit Stunden, seit Tagen, keine Ahnung wie lange. Sie lassen mich hier einfach hocken, so als hätten sie meine Hilfe nicht nötig. Ich kann sie ja nicht zwingen, aber ich weiß, dass sie es bereuen werden, wie sie jetzt mit mir umspringen. Der Tag wird kommen und zwar schneller, als sie es sich jetzt im Augenblick vorstellen können. Ich habe schon oft miterlebt, wenn dann der Groschen gefallen ist. Dieses Erstaunen, dieses Nicht-wahr-haben-Wollen, aber nicht mehr Herauskommen-Können. Und warum? Weil sie unachtsam gewesen sind, weil sie dachten, Regeln sind nur was für andere. Haben nicht gedacht, dass da einer ist, der sich nicht mit allem abfindet, der wirklich mal dagegen hält. Einer der gern hilft, für Ordnung zu sorgen. Aber im Augenblick kann ich nichts machen, wenn nicht einer diese verdammte Tür aufmacht und mich aus dem Keller lässt.

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