Im Loch 2

Die lassen mich einfach nicht aus dem Loch raus. Und irgendwann bin ich es auch leid, an die Tür zu klopfen wie ein Bittsteller. Das habe ich nicht nötig. Ich nicht. Ich will helfen und nicht betteln. Wenn die meinen, sie könnten auf mich verzichten, meinetwegen. Wenn die nur einen Funken Verstand hätten, könnten sie wissen, dass ihnen eine Chance entgeht, eine Riesenchance. Ja, eine Chance, auch wenn ich jetzt in diesem Loch hause, ausgesucht habe ich es mir ja nicht, war das doch nicht immer so. Ich habe Erfahrungen und weiß, wie die Hasen laufen. Sie könnten einiges von mir lernen. Vor allem, wie man nicht den Überblick verliert. Daran hapert es doch, sieht man doch sofort, selbst hier, abgeschnitten vom Draußen, dass mal einer vonnöten ist, diesem Drunter und Drüber ein Ende zu bereiten. Und zwar schnell. Ist ja nicht erst seit gestern so, seit Langem ist da was ins Trudeln gekommen, aber viele, auch diejenigen, denen es dreckig geht, haben es sich bequem eingerichtet, wissen aber insgeheim, dass es noch schlimmer kommen wird. Die hoffen einfach drauf, dass es sie nicht erwischen wird, wenn sie sich nicht mucken. Kassieren Sozialhilfe, Kindergeld und was auch immer. So was ist für mich nicht infrage gekommen. So was ist erbärmich, sich aushalten zu lassen, statt sich selbst um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Sochen Leuten helfe ich nicht, die haben keine Hilfe verdient. Auch nicht die armseligen Gestalten, die in alle möglichen Tonnen klettern, um nach Essbarem zu fischen, oder Pfandflachen sammeln. Aber am schlimmsten sind die Jammerer, die in einem Fort rumheulen, in aller Öffentlichkeit, die regelrecht geil drauf sind, sich vor den Kameras zum Affen zu machen. Das mache ich nie und nimmer. Das ist würdelos, sich so gehen zu lassen. Ich bin immer allein klargekommen. Bis zuletzt. Okay, hier in diesem Loch ist es nicht gerade prickelnd, und die Sonderbehandlung ist schon speziell. Aber, auch wenn die jetzt auf Tauchstation sind, eins ist sicher, die haben Respekt vor mir. Wenn die mich im Bau rumführen, dann immer in Handschellen, auch auf dem Hofgang, immer. Sind quasi meine Armreifen, so eine Art Handschmuck, verliehen für besondere Verdienste. Ich will nicht nerven, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ich will nur helfen. Klar, auch hier scheint es der Fall zu sein, nicht jeder will Hilfe, der sie eigentlich braucht. Du musst dich, wenn es darauf ankommt, darüber hinwegsetzen, wenn die Leute sie nicht annehmen wollen. Du musst ihnen wehtun können, sie sozusagen zu ihrem Glück zwingen. Wenn da einer, sagen wir mal, ins Krankenhaus eingeliefert wird, nach einem Unfall, und der Doc sieht, das Bein ist völlig zerschmettert, einfach Brei, dann kommt der Mann auf den Operationstisch, Bein ab, da fragt der Doc nicht lange nach, wie der Verletzte es gern hätte. Da bestimmt der Doc einfach, was getan werden muss. Fertig, aus, basta. Und so ist es in allen Bereichen, wenn du retten willst, was zu retten ist. Da kann es schon mal hart zugehen. Muss es auch, damit sich was bei der trägen Masse bewegt. Und auch vor der letzten Konsequenz kann man sich nicht drücken, wenn nicht alles umsonst gewesen sein soll. So bitter das ist, , von den Heulsusen muss man sich trennen. Wie auch immer, da führt kein Weg dran vorbei. Mein ganzes Leben lang habe ich immer mein Ding gemacht, und was anderes kann ich nicht. Auch wenn die mich hier nicht rauslassen, weil sie Schiss vor meiner Power haben, ich lasse mich nicht unterkriegen, und ich weiß auch, dass es da draußen ein paar Leute gibt, denen man das Hirn nicht weichgespült hat. Ich habe es denen hier drin schon so oft gesagt, dass ich helfen will und dass ich helfen kann, sie müssen nur endlich einmal diese verdammte Tür aufmachen und mich rauslassen. Das ist doch ganz einfach. Wenn die doch nur checken würden, dass ich ihnen nichts Böses will, schließlich geht es gar nicht um sie. Sie müssen mich nur rauslassen, dann lasse ich sie in Ruhe. Aber im Moment haben sie die Hose voll, weil man ihnen eingeredet hat, dass ich ein Krimineller bin, ein übler. Doch das bin ich nicht. Ich nur einer, der darauf besteht, dass wahr sein muss, was wahr ist. Sonst nichts. Die meisten erkennen das nicht. Sie sind es gewohnt, Leuten hinterher zu rennen, die ihnen das Blaue vom Himmel herunter erzählen. Die zum Beispiel ernsthaft denken, dass sie den Leib vom Jesus zu sich nehmen, wenn sie sich stinknormale Oblaten in den Mund schieben lassen und einen Schluck Rotwein drauf trinken. Nicht symbolisch, sondern Speis und Trank sollen sich dann wirklich und leibhaftig verwandeln, wenn der Priester seinen Sermon dazugibt. Transsubstantiation nennen die Katholiken das, was dabei abgeht. Das ist doch totaler Quatsch, aber damit müllen sie die Leute zu.

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