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K-13

Stille, er ist nicht da. Das Appartement liegt im Dämmer, kalter Rauch in der Luft, Essensreste in der Küche, überall ausgebreitet, Bücher, Notizzettel und Zeitungsausschnitte. Im Schlafzimmer, gegenüber der Fensterfront, hängt ein Betttuch an der Wand, darauf mit schwarzer und blauer Farbe große Lettern gepinselt, teilweise durchgestrichen oder übermalt. A. setzt sie mühsam zu Wörtern zusammen, versucht zu verstehen, weil sie es noch nicht aufgegeben hat, ihn zu verstehen. Doch nichts erschließt sich ihr auf den ersten Blick. A. holt Stift und Block, um sich mögliche Bedeutungen zu notieren. Wie ein Silbenrätsel, denkt sie, und: Was mache ich da eigentlich?
NICHTS – ich bin müde/ A = Anfang / ein Gedicht, sonst nichts / wenn der stille Klang seinen Gang durchs Dunkel beginnt / meine Hunde heulen / an den halben Mond / vor Scham / der stille Klang mich fortzieht / wenn alle schlafen / mir in Rot, Grün, Blau die Flaschen zuwinken / der TV-Schirm matt / die Fernbedienung kalt / wenn der Surrealismus im Stich lässt / singen die Passanten / das Lied von der Bestrahlung / wo keine Sonne mehr scheint / ich ganz ruhig / vor der großen Flut / danach nichts mehr zu haben / A = Abschied

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