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Kein perfekter Tag

Was für ein be … scheuerter Tag. Er hätte es wissen können, schon beim Aufwachen, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, hat alles nicht zusammengepasst. Dieser Zustand, in dem er sich befunden hat, er hat sich gehen lassen, so ganz wider seine Natur. Das hätte ihn stutzig machen sollen. Träume sind Schäume. Wie ein Narr hat er sich verhalten. All die Mühe, die er sich gemacht hat, das Herumgerenne, durch die Läden ist er gehetzt, um diese „nouvelle cuisin“-Häppchen einzukaufen, diesen Lebensmittel-Schnickschnack, der im besten Fall nur gut aussieht. Selbst die Verkäuferin hat gemerkt, dass es nicht sein Ding ist, dass er nicht der Typ dafür ist, so breit, wie sie ihn angegrinst hat, mit einer unübersehbaren Spur von Arroganz. Er hat es nicht sehen wollen, in diesem Augenblick, weil ein anderer Film, in ihm abgelaufen ist, weil er sich eingebildet hat, dass da etwas ist, besser gesagt, dass sich da wirklich etwas anbahnt, zwischen ihr und ihm. So ein Quatsch, und dann hat er den ganzen Tag die Wohnung geputzt, sogar nass gefeutelt. Ist auf den Knien herumgerutscht, wie so ein kastrierter Hausmann im vorauseilenden Gehorsam. Er hat sich ein Kochbuch gekauft, Dekokram für die Festtafel, hat stundenlang in der Küche gestanden, der Rücken hat schon geschmerzt, hat Gemüse geputzt, geschnippelt und Fleisch geschnitten, wieder aufgeräumt. Zum Affen hat er sich gemacht, ist sogar noch einmal ausgerückt, um den Tisch mit Deko und sich selbst aufzubrezeln wie die Deppen vom Promi-Dinner. Das allein wäre vielleicht nicht so schlimm, aber dass er seine Grundsätze verraten hat, das wurmt ihn. Wenn er so einer wäre, der die Brotscheibe mit spitzen Fingern anfasst und den Tisch genussvoll mit Krümeln übersät, wenn er so ein Liftstyle-Vollpfosten wäre, ja dann, aber, dass ihm das passiert ist, dass ärgert ihn. Dabei hätte er es besser wissen können, ist ja nicht das erste Mal gewesen, dass etwas dazwischen gekommen ist. Es ärgert ihn, dass er sich trotzdem so reingehängt hat, in einem Anfall von, von, er weiß gar nicht wovon, ob es die Hormone gewesen sind oder eine Art Abstinenz, die ihm den Blick getrübt hat. Jetzt, wo er klar sieht, durchs Rot dieses bescheuerten Tages hindurch, fragt er sich, was an ihr eigentlich dran ist, und es fällt ihm nichts ein, nichts, was andere nicht auch hätten. Mehr noch sieht er, wo er sie sich ausmalt nach den Bildern der letzten Begegnungen, dass ihr Lächeln eine Spur zu eingeübt, ihr Körper starr und ungelenk wirkt, seine Umrisse unausgeprägt sind. Im Grunde genommen, aber so weit will er nicht gehen, kann er ihr nur dankbar sein, dass sie nicht gekommen ist, dass der Spuk vorüber ist, bevor er richtig angefangen hat. Das Essen hat er in die Tonne treten müssen, das Gemüse, das Fleisch, all die Häppchen für Zwischendurch, schade um das schöne Geld, aber immerhin bleibt ihm der Schampus und der Wein, womit er diesen bescheuerten Tag herunterspülen kann, bis in ihm das wohlige Gefühl aufsteigt, dass ein bescheuerter Tag nichts ist im Vergleich dazu, wochenlang von einem Hirngespinst an der Nase herumgeführt zu werden.

 

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