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Normal

Er trinkt eine Gummiwärmflasche aus, die Stunden vorher noch den Bauch der Geliebten gewärmt hat. Er findet nichts Außergewöhnliches dabei. Ebenso selbstverständlich isst er begeisterungslos in der guten Stube neben dem TV-Bild einer enthäuteten Katze. So gesehen, ist er recht empfindungslos und nur zufällig bis zum Erbrechen sentimental. Er träumt gewaltfrei und lässt den Gedanken nicht fallen, wichtig zu sein. Für wen oder was entzieht sich allerdings schon wieder seiner Kenntnis. Er kümmert sich auch nicht darum. Wenn er sagt, er ist glücklich, so stimmt doch zugleich auch, dass er unglücklich ist. Einerlei, manchmal hat er Hunger, manchmal schmeckt ihm gar nichts. Er macht sich nützlich, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, aber es macht ihn immer ein wenig müde, sich so zu betätigen. Absichtsvolles Tun? Ja, kennt er auch. Er besitzt Ziele, ist immer auf dem Weg durch den Dschungel, auf der Suche nach der verwunschenen Stadt, wo der greise Magier den Bann des kleinen, immer währenden Glücks über ihn ausspricht. Ja, verflucht will er sein. Die Utopie der aufgeräumten, paradiesischen Stadt läßt ihn kalt. Die gemeinen Harmonien kotzen ihn an, in jeder Ecke sieht er Dreck. Und die großen Besen kehren immer eisern. Was wollte er sagen, wer hört schon lange nicht mehr zu? Allein, in seiner kalten Raserei gefangen, drängt es ihn zuweilen, der Giftküche zu entkommen, in der er Wünsche braut, die zu NICHTS führen, wenn er sie nachdenkt. Sterben und Katastrophen, das machen andere, damit will er nichts zu tun haben. Besonders nicht in den Momenten, in denen er einen Plan ausheckt, wie er sich am Leben unterhalten könnte. Dann und wann, wenn seine Kehle vom vielen Träumen trocken ist, überkommt ihn ein übelriechender Wille, das letzte Glas zu trinken. Aber er ist zu träge, zu faul, um unter Milliarden von Gläsern ausgerechnet das letzte herauszufinden. Er sieht sich viel nach, andere blicken sich nicht nach ihm um. Das ist gut, so wird ihm sein Schatten nicht fremd. Dass er im Kreis umherirrt, stört ihn wenig. Immerhin besser als all die Idioten, die ineinander verschweißt geradewegs in eine Richtung laufen, viel Staub aufwirbeln und am Endpunkt bereuen. Im All-Tag schweigt er, fühlt sich unempfindlich. Er treibt zwischen Aufstehen und Niederlage. Er hält sich das Ende vom Leibe, macht einen großen Bogen um andere Menschen. Was er ihren Worten entzieht, vefüttert er an seine Vorstellungen. Damit beleidigt er keinen, und kommt keinem zu nahe.

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