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S-Bahn

Festgebacken auf dem Sitz, als wäre er die letzte Rettung. Es geht ein Zug nach nirgendwo. Immer die gleiche Strecke. Vorläufig. Anfang und Ende, dazwischen eine Endlos-Schleife. Sanofi-Aventis, die Sozialdemokraten regieren uns, ja! oder? Na und! Ausrasierte Nacken im S-Bahn-Abteil und entschlossene Gesichter – Training für die Tage danach. Die Fahrkarte immer am selben Ort, über dem rechtschaffenen Herzen. Dösen, ruhig bleiben, schön ruhig. Sich im Griff haben ist Freiheit. Zwei Chicks steigen aus, eine Schleppe aus Traum bleibt im Abteil zurück. Augen auf Bücher und Zeitungen justiert. Hinter abgedunkelter Scheibe huschen Fabrikgiganten und Bürotürme vorbei. Himmelsgeschenke. Wie glücklich müssen die Angestellten sein, erst recht die leitenden, denen man Edelmarzipanmösen und -schwänze zur Kostprobe reicht und danach die Geldscheine in den Allerwertesten stopft. Wie wär’s, wenn man was vertauschen würde. Statt Aspirin Vollmilch-Nuss? Statt mon cherie Togal total ? Egal, der Wanniyetulla treibt das große Rad an. Manche steigen aus, sind unsicher oder gehen aufrecht in der Erwartung, ihr Wissen zu erleiden. Manche blicken zurück ins Abteil, wissen, dass alle anderen Vorstellung sind, dass nur sie existieren, woanders. Wir, Du, ich und sie sind Vorstellungen. Der Boden ist hart. Stromausfall. Pause. Noch längere Pause. Auszeit, mit der Zeit ist’s aus und vorbei. Alle sind schon immer im Abteil gewesen. Den einen Kampf, den anderen Wohlgeschmack, weil Gott sagt: RIEN NE VA PLUS! Manche glauben es nicht. Glauben an OPEL und Rüsselsheim. Die Gegenwart kommt hoch und da sind wieder dieselben Gesichter, die sich keiner merken kann. Dicht vor der Nase und vor den Augen, vor denen es zu schwimmen beginnt. Und doch ist keine Träne übrig für die Gesichter im Abteil.

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