Underground

Ich bin nicht der einzige, der nicht raus kommt. Gewiss nicht. Es sind viele, die nicht raus kommen. Dabei denke ich nicht an die Kranken, an die Bettlägerigen, auch nicht an die Rollstuhlfahrer, die sich nicht nach draußen begeben, weil sie dort nicht vorwärts kommen mit ihrem Gefährt. Ich meine auch nicht die Menschen, die es nicht mehr schaffen hinaus zu gehen, weil sie es nicht aushalten, den Trubel, den öffentlichen Klamauk und vor allem nicht die anderen Menschen, die ihnen begegnen könnten. Nein, es sind nicht nur die Freaks, die nicht ans Tageslicht kommen, weil sie sich vor der Monstrosität des Draußen schützen wollen oder müssen. Tausende, was sage ich, Millionen sind es, die nicht mehr raus kommen. Nicht, dass sie sich nicht bewegen würden, im Gegenteil. Sie sind sehr umtriebig, aber sie kommen nicht raus. Sie sind aktiv, rege, Familienmenschen, gesellig, aber unter der Erde. Sie sind wie Erdschweine, bewegen sich über ein weit verzweigtes Verbindungsnetz von Grube zu Grube, die sie sich nicht selbst gegraben haben, die sie vorgefunden haben. Für sie ist immer Nacht. Aber das schert sie nicht, weil sie die Sonne nicht vermissen. Es genügen ein paar Lampen, damit sie sich im Untergrund einrichten. Sonne, pah, Sonne. Wer sagt denn, dass es die überhaupt gibt.

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