Unkraut

Unkraut ist untrennbar mit dem Ackerbau verbunden, anders ausgedrückt, ohne die Bewirtschaftung des Bodens mit Nutzpflanzen gäbe es kein Unkraut, das heutzutage ökologisch korrekt als Wildkraut bezeichnet wird. Vor der Entwicklung der chemischen Unkrautbeseitigung gab es nur zwei Arten, das für den Bauern so ärgerliche Unkraut loszuwerden. Zu Zeiten der Dreifelderwirtschaft wurde das Vieh auf die brachliegenden Äcker getrieben, um dort zu äsen. In dieser Zeit war es auch üblich, die jungen Getreidebestände mit Vieh zu beweiden. Das schadete dem Getreiden nur wenig, dem Unkraut erheblich mehr. Die Alternative dazu ist bis heute das Jäten des Unkrauts. Schon in der Bibel, wie könnte es auch anders sein, taucht das Unkraut auf, und zwar als Strafe für den Sündenfall des Menschen. So steht zum Beispiel im ersten Buch Mose „verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Also anstatt sich wie in paradiesischen vorgeschichtlichen Zeiten die Bananen oder andere Früchte in den Mund wachsen zu lassen, gilt es sich auf dem Acker zu plagen. Und warum? Nur weil der erste männliche Mensch zu viel wissen wollte und vom Baum der Erkenntnis genascht hat. Schaut man sich die Schöpfungsgeschichte, also die biblischen einmal an, stößt man auf einen Widerspruch, für die einen ist er groß und unauflöslich, für die anderen verschwindend gering. In der Genesis Kapitel 1, Vers 26 und 27 heißt es: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. In Genesis Kapitel 2, Vers 7 steht dann: „Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker“, und weiter in Vers 18 heißt es: „Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. Und schließlich kommt in Vers 21 und 22 die Rippe Adams ins Spiel: „Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm eine seiner Rippen und schloss die Stelle mit Fleisch. Und Gott der HERR baute eine Frau aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.“ Ja, aber Hallo, was denn nun, Mann und Frau gleichzeitig aus Erde geformt oder erst später die Frau aus der Rippe des Mannes geschaffen. So oft man die zwei Kapitel auch lesen mag, man wird nicht schlauer, ja, in der ganzen Bibel gibt es keinen Hinweis, der diesen Widerspruch verständlich machen würde. Der Midrasch, eine Art Sammlung von Schriften zur Auslegung religiöser Texte des rabbinischen Judentums, bringt eine weinig Licht in die Angelegenheit. Danach erschuf Gott Adam und Lilith aus dem selben Lehm, auf dass Adam eine Partnerin hat. Lilith war Adam gleichgestellt und ebenbürtig, verstand sich als freies Wesen, dem Unterordnung fremd war. Liliths Selbstbewusstsein und ihre Weigerung sich unterzuordnen, erboste Gott, weil er Adam als Ableger seiner selbst betrachtete, und deshalb den Freiheitswillen Liliths als Rebellion gegen sich verstand. Eine ungünstige Konstellation, die schließlich zum Eklat führte. Als Lilith beim Geschlechtsakt oben liegen wollte, reichte es Adam, der sich seine dominante Position nicht nehmen lassen wollte. Der Krach endete damit, dass Lilith auf und davon flog, nachdem sie den geheimen Namen des Herrn ausgesprochen hatte, wodurch sie sich die notwendigen Zauberkräfte angeeignet hatte. Sie ließ sich an der Küsten des Roten Meeres nieder und war eine Verbindung mit dem Dämon Djinns eingegegangen, mit dem sie viele Kinder hatte. Auf Adams Flehen hin sandte Gott drei Engel aus, um Lilith zurück zu holen. Die dachte aber gar nicht daran, lachte die Engel aus, die unverrichteter Dinge zurückkehrten. Gott war darüber so gar nicht amused, schuf Adam seine Eva und ließ als Strafe für Liliths Ungehorsam jeden Tag 100 ihrer Kinder töten, worauf diese wahnsinnig wurde und fürderhin selbst als kindermordenden Dämonin Angst und Schrecken verbreitete. Sie soll es auch gewesen sein, die in Gestalt der Schlange Eva die verbotene Frucht angeboten hat, und damit dafür gesorgt hat, dass das paradiesische Vergnügen für Adam und Eva ein Ende fand. Soweit die Geschichte von Lilith der verfemten Frau, die in der Bibel nur an einer Stelle Erwähnung findet, und zwar in der Elberfelder Bibel im Buch Jesaja Kapitel 34, Vers 14. Es heißt an dieser Stelle im Zusammenhang mit der Verwüstung Edoms: „Da treffen Wüstentiere mit wilden Hunden zusammen, und Bocksdämonen begegnen einander. Ja, dort rastet die Lilith und findet einen Ruheplatz für sich.“ In der Lutherbibel ist Lilith auch an dieser Stelle getilgt. Luther spricht nur mehr von Nachtgespenstern. Lilith getilgt, wie Unkraut eben.

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