Zum Inhalt springen

K-01

Kommissar Vier spürt, dass dies Auf-der-Stelle-Treten der Grund für das Überhandnehmen seines Schweigens ist, für sein Ausbreiten, das nicht folgenlos ist. Die Kollegen sind schon jetzt sauer, erst recht die Kolleginnen, besonders, na ja, das hat im Moment nichts in seinem Kopf verloren. Kommissar Vier muss sich konzentrieren, um nicht vom richtigen Weg abzuweichen, mögen die Widerstände um ihn herum noch so groß sein. Es ist richtig, nicht zu reden, dabei bleibt er, denn es gibt gute Gründe, die er allerdings für sich behalten muss. Im Augenblick. Keine Ahnung, wie lange der währen wird. Er darf nicht reden, sonst gibt es kein Entkommen für ihn, sonst wird er sich weiter im Kreis drehen.
Die letzten Wörter aus dem Manuskript hat er noch im Kopf: „ und betrachtete seine Gedanken wie einen Fisch im Aquarium.“ Wie kann man nur solch einen Blödsinn schreiben, denkt Kommissar Vier. Anscheinend genügt eine gewisse Häufigkeit von Auftritten im TV und man kann auch als Autor jeden Nonsens absondern, ohne dafür bestraft oder ausgelacht zu werden. Aber damit nicht genug, werden die fernsehtauglichen Schreiber dafür, dass sie wie die anderen gnadenlos selbstgefälligen Promis in die Kameras blecken, auch noch mit Geld zu gemüllt. Wenn er nur daran denkt, wird er grün im Gesicht und weiß nicht, was ihm übler aufstößt: Dass andere so leichtfertig sind, oder er sich so maßlos anstrengt. Ja, es strengt ihn an, und hat doch nichts Heroisches oder Befreiendes an sich, wie er sich abmüht, zäh darum ringt, dass er die richtigen Worte aufs Papier bringt. Die Wörter, die so herum liegen in seinem Kopf, sind zahllos, darunter enorm viele Nieten. Für ihn, der schreiben muss, weil er nicht reden kann, sind die meisten nicht zu gebrauchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.