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K-02

Sie weiß bis heute nicht, warum er sie gehen ließ. Seine Schwäche, ihre letzte Chance, so hat es jedenfalls lange ausgesehen. Sie hat sich zusammengerissen, hat alles in Ordnung gebracht, ihre verkorksten Beziehungen, von denen nach ihrer Untersuchungshaft nicht mehr viele übriggeblieben sind, ihr neu angemietetes Zimmer und ihr Denken. So weit ist alles gut gegangen. Sie hat sich eingefunden. Zum Wohlfühlen reicht es jedoch noch nicht. Sie hat ein Zimmer, in dem sie sich eingeschlossen fühlt. Klein ist es , zu klein, und nichts drum herum, um etwas Großes zu schaffen. Für sie ist es nichts weiter als der Behälter für ein paar Kubikmeter Leere, von der sie sich nicht beherrschen lassen will, der sie aber nichts weiter als eben diesen Willen entgegen zu setzen hat. Manchmal hat sie Angst, zu verschwinden, Angst, dass ihr Körper zerfällt.
Heute, ein blauer Tag, fühlt sie sich zum Kotzen. weil sie fünfzehn Tage nichts anderes gemacht hat, als zu saufen, zu rauchen und zu schlafen. Dabei hat sie ein heilloses Durcheinander in ihrem Kopf angerichtet. Und das Durcheinander hat sich bewegt, eins hat sich darin mit dem anderen verwickelt, immer wieder aufs Neue. Manchmal muss sie sich festhalten, damit sie nicht weiter in das Durcheinander hinein gezogen wird. Morgen, morgen wird sie es seltsam finden, dass sie an ihm Halt gefunden hat, wo er es doch gewesen ist, der sie hierher, in diese Situation, gebracht hat.

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