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K-04

Schnell, leichtfüßig springen die Töne in den Zeitenräumen umher. Ich spüre sie mehr, als dass ich sie höre. Im Bus, im Auto, auf den Gesichtern der Menschen um mich herum sehe ich sie tanzen, wie Mücken, die verscheucht werden wollen. Und im Auge von ihr, der Schönen, der Schwarzhaarigen, sehe ich sein Gesicht vorbei huschen. Sie hat ihn gesehen, so viel steht fest, und also gehe ich ihr nach. Vielleicht kennt sie ihn, vielleicht kann sie mir etwas über seinen Aufenthaltsort sagen. Wie ein scheuer Hund, dann wieder wie ein Haken schlagender Hase folge ich ihr. Ich hasse es, das Verfolgen. Bin doch kein Böser bin. Gott sei Dank, wird sie rasch müde, lässt sich in einem Café nieder.
So als hätte sie mich erkannt, als hätte sie meine Gedanken erraten, blickt sie mich an, als ich mich dem Tisch nähere, an dem sie sitzt. Ich erröte, wage nicht sie anzusehen, setze mich entfernt von ihr an einen freien Tisch, studiere blind die Karte, ohne die Schwarzhaarige aus dem Blick zu verlieren. Sie ist schön, noch ist sie schön. Bald wird sie nicht mehr schön sein, weil ich sie in die Mangel nehmen werde. Also schaue ich sie an, genau, in diesem Moment auf der Terrasse des Cafés, will mir ein Quäntchen Lust gönnen, bevor ich die Schreibtischlampe anknipsen werde. Aber es klappt nicht. Nüchtern, ich bin einfach zu nüchtern für schöne Frauen. Schlechte Unendlichkeit weht herüber, je länger ich sie anblicke. Ich hasse es, das Glotzen. Ich lasse von ihr ab. Morgen, morgen knöpfe ich sie mir vor.

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