Zum Inhalt springen

K-10

Andreas Bude habe ich nicht mehr ertragen. Den Staub, die Unordnung, die verschimmelten Brotreste, die Schmutzränder in der Badewanne und den Gestank nach Pisse im Klo. Auch Andreas nicht mehr, obwohl ich ihm dankbar bin, dass ich bei ihm Unterschlupf gefunden habe, dankbar auch für das gemeinsame Herumstreunen, die Besäufnisse in den Bars und Clubs, einfach für alles. Er hat einfach alles dafür getan, dass die Nächte so gewesen sind wie damals, nur woanders. Räusche voller Pläne. Aber im schmalen Streifen Tag hat mich der Dreck in seiner Bude angewidert. Anfangs habe ich dieses Gefühl beiseite geschoben, aus Rücksicht und Gefallen gegenüber Andreas und weil ich nicht undankbar erscheinen will. Aber Pickel und Juckreiz haben mir keine Wahl gelassen. Ich musste gehen und also bin ich gegangen. Die Reiseschreibmaschine habe ich mitgenommen. Schließlich habe ich für unsere Gelage bezahlt. Und außerdem, Andreas vermisst sie nicht. Ich weiß nicht einmal, ob er mich vermisst.
Ich bin ins Hotel, ein kleines in der Kelton Avenue, in der Nähe des Santa Monica College. Klein, fein und sauteuer. Keine besonders noble Gegend, eher solider Mittelstand, der hier haust und genau der Ort, den ich jetzt brauchen kann. A. wird meinen Umzug sicherlich gut heißen, falls sie „gut“ und meine Person jemals wieder zusammen denken kann. Zugegeben, bei unserer letzten Begegnung bin ich wirklich nicht nett zu ihr gewesen. Kein Wunder bei meinem Zustand. Statt die Fünf gerade sein zu lassen, sie hat doch gesehen, was mit mir los ist, statt also ganz ruhig ein paar Bierchen mit mir zu trinken, hat sie gleich losgelegt. Schlimm genug, hat sie gesagt, dass ich mich ruiniere, schlimmer aber, dass ich mir dabei heroisch vorkomme. Sie habe keine Lust mehr, weiter auf mein Geschwätz zu hören. Genug habe sie von dem Mist einer ekstatischen Existenz, und genug davon sich zur Komplizin machen zu lassen. Dass sie so nicht weiter machen werde, auch wenn ich es nicht glaube, weil sie schon so lange, und immer wieder, habe sie es probiert, und ich solle nicht, jetzt nicht, nicht in diesem Augenblick grinsen. Ich habe ich nicht gegrinst, grimassiert vielleicht, wegen des Kopfschmerzes, und weil ich die Litanei nicht mehr hören kann, aber gegrinst habe ich nicht. Ich habe ihre Worte ausleiern lassen, gewartet, dass sie zum Ende kommt und dabei geraucht. Dann habe ich sie rausgeschmissen. Ich weiß, sie wird sich wieder melden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.