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Warten

Haben Sie schon einmal über das Warten nachgedacht, ich meine, wirklich nachgedacht. Eine Jede und ein Jeder von ihnen hat bestimmt schon einmal auf etwas, auf jemanden gewartet, auf das Eintrefffen einer Nachricht, auf das Eintreten eines Ereignisses, eines herbeigesehnten oder befürchteten Ereignisses. Die Zeit läuft, die Stunden und Tage, manchmal sind es Monate gar Jahre, vergehen und sind begleitet vom Warten, die Zeit, die Zeiteinheiten sind eingepackt ins Warten und je nachdem, worauf man wartet, ist die Verpackung wie eine transparente Folie, die sich über das Erleben der Zeit legt oder aber wie eine dicke, atemberaubende Hülle, die die das Erleben so sehr einschnürt, dass nur mehr die Hülle wahrgenommen wird. Dann ist alles vom Warten erfüllt, das Warten verschlingt die Zeit und das Erleben. Man weiß nicht, ob die Zeit rast oder stehengeblieben ist. Ja, das Warten verschlingt sogar dasjenige, worauf man wartet. Warten macht müde, hält einen auf Trapp, man will sich schlafen legen, so lange, bis das Erwartete eingetroffen ist, oder man findet keinen Schlaf, weil einen das Erwartete nicht in Ruhe lässt oder weil man noch alles erledigen will, was man, ist das Erwartete erst einmal eingetreten, meint nicht mehr tun zu können. Das Warten ist eine Fixierung aufs Zukünftige, die einen die Gegenwart vergessen macht, einerlei ob das Erwarten mit dem Gefühl der Freude oder der Angst verbunden ist. Oder ist es doch ganz anders? Ist das Warten eine Art Intensivierung der Gegenwart oder eine Steigerung der Intensität des inneren Erlebens? Oder Tritt das Warten vielleicht eine Lawine los, löst es die Ablagerungen, die Versteinerungen der alltäglichen Wahrnehmung und setzt es einen Bewusstseinsstrom frei, der dem Vergangenen entspringt. Fordert das Warten etwa das in die Vergangenheit Verdrängte heraus, unter dessen Gewicht wiederum die Gegenwart erdrückt wird. Fragen über Fragen.

 

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