Szene 2

Der Wirt betritt das Studierzimmer, sieht sich nervös um. Wird ruhig, nachdem er sich allein weiß, vollführt wortlos Schattenspiele mit seinen Händen. Er lacht, verlässt das Zimmer. Im Schatten der Bäume hockt jetzt der Wirt, eine Hand als Blendschutz über den Augen. Er sucht den See ab. Draußen treibt ein Boot mit Gästen. Laut vor sich hin grübelnd, sagt er: Die Sonne ist mir auf den Kopf gefallen, mein Hirn ist eingebrochen, und die Gäste, die dort treiben, umflirren mich wie graue Fledermäuse, umsummen mich, umnebeln bei hellstem Lichte meine Gedanken. Er verlässt den See. Im Saal tanzt die Festtagsgesellschaft, ausnahmslos. Der Wirt tritt ein, puterrot im Gesicht, überfordert. Und mit Tränen im Auge bittet er um einen Tanz mit einer Schönen. Wirt und Schöne umwirbeln einander im Tanz. Im Schwung des Tanzes trocknen des Wirts Tränen. Eine schöne Frau in seinen Armen, endlich. Ihr Blick spricht zu ihm von wildem Begehren, ihre stummen Lippen wölben sich und lächeln stilles Gewähren.Die übrigen Anwesenden bilden einen Kreis um das rotierende Paar, wiegen ihre Köpfe zum Takt der Musik und rufen: Vergiss nicht, Wirt, der Lust ausgeliefert, … du bist der Stein, die Wüste, bist der Tod! Der Tanz ist aus, sein Tanz ist aus. Der Wirt weiß beim Blick in die Runde: Alles ist falsch. Seine Tanzpartnerin steht neben ihm, ihre Brust hebt und senkt sich. In ihr klingt die Tanzmusik noch nach. Mit regem Atem, die Umstehenden haben sich im Saal zerstreut, wendet sich die Schöne dem Wirt zu: War ich eben nicht sehr schön? Der Zeigefinger des Wirts kreuzt ihr Lippen, ohne sie zu berühren. Sein Mund an ihrem Ohr: Wenn Sie mir zuhören, ganz schweigsam, dann will ich alles, was Sie zu wissen wünschen, ohne Umstände berichten. Hören Sie, sagt der Wirt, seine Lippen noch an ihrem Ohr, wie die Gäste hier schreien, wie sie schwatzen und schrillen, fast wie Meeresbrandung, immer verwirrter und lauter je später der Abend, so als wollten sie die Erde erschüttern. Dabei haben sie alle bei mir im Voraus bezahlt. Der Wirt schweigt, blickt der Schönen in die Augen, traurig. Der Wirt verlässt den Saal, ohne auf das Rufen der Schönen zu achten. Der Schönen stürzen Tränenbäche aus ihren Augen, die Festtagsgesellschaft jault wie von Tollwut ergriffen. Die Decke des Saals kracht, die Figuren gleiten von den Wänden herab. Der Wirt betritt wieder das Studierzimmer, blickt zur Kamera hin, tritt zu ihr hin, spricht zu ihr: Ich weiß, ich bin schon lange nicht mehr bei Ihnen gewesen. Sicherlich haben Sie schon auf mich gewartet. Ich weiß, es ist höchste Zeit. Die Sonne sinkt. Ich kündige den Pachtvertrag.