Szene 6

Eine schwarzfarbene Welle nach der anderen kommt herangerollt, eine nach der anderen zerbricht und zerstiebt auf dem Strand. Ein General in der Hängematte räsoniert, milde lächelnd, über die Unaufhaltsamkeit des Meeres. Und er dichtet, denn er hat Zeit genug und seine Handelsspekulationen machen ihm nicht viel zu schaffen. In der Hängematte, zwischen zwei Palmen, wiegt sich der General also in Altersweisheit. Er hat die Lehre vom Heer als einem Mittel zur Notwehr ebenso gründlich abgeschworen wie den Eroberungsgelüsten. Und vielleicht, sein Blick schweift über das schwarz gekräuselte Meer, wird eines Tages die militärische Ordnung und Intelligenz vor seiner Dichtkunst kapitulieren. Der General, noch immer in der Hängematte schaukelnd, hat es gewusst, von Anfang an. Nur wer es beim Militär zu etwas bringt, kann ein Dichter werden, denn in jedem Schaffen ist das Zerstören eingerechnet. Der General, der Hängematte entstiegen, macht sich ein wenig Sorgen, der Dichtkunst wegen. Ihm will scheinen, dass ein Zeitpunkt in der Entwicklung der Künste gekommen ist, an dem der gute Wille, ein tüchtiger Meister der Darstellung und Ausübung zu sein, viel anerkannter ist als der Drang, selber zu schaffen. Seine Erfahrung kann ihm niemand rauben. Soviel steht fest. Wie zur Bekräftigung rammt er einen Fuß in den Inselsand. Der General ist sich sicher, das ihn niemand vertreiben können wird. Denn er weiß, dass man nicht kämpft, um zu zerstören noch um zu siegen, sondern bloß, um zu kämpfen. Irgend etwas ist dem General aufs Gemüt geschlagen. Wie ein gefangenes Tier streift er am Rand des Meeres hin und her, den Blick stets aufs Meer gerichtet, so als erwarte er dort draußen etwas zu sehen, etwas von dem Draußen, von dem Jenseits und von der Ferne. Der General, wieder an seinem Lieblingsplatz, denkt ohne alle Vermessenheit, dass er hier auf seinem Eiland eine Welt bauen könnte, gäbe man ihm nur genug Materie.